Der Fluch der Busla - Buslubæn

Über den Verwünschungsspruch, wie ihn das Leben übte, wachsen diese neun Strophen weit hinaus. Das ist nicht mehr Zweckdichtung; es erinnert denn auch, freilich in niedrigerer Tonart, an dichterische Flüche in alten Eddaliedern. Zugleich hat es doch Fühlung mit Sprüchen des spätmittelalterlichen Hexenwesen. Die Runen am Schluss verstärken den Eindruck des Zauberischen. Buslas Fluch entstand als Einlage eines jungen Wikingromans, sucht aber die heidnische Tracht, so gut es geht, zu wahren und fällt nur am Schluss in den Höllenglauben der Kirche.

Der junge Held Bosi war von Hring, dem König von Gautland, geächtet worden und hatte dann zur Rache den ältern Sohn des Königs erschlagen. Der jüngere Sohn des Königs, Herraud, war sein Ziehbruder und trat gegen seinen Vater für Bosi ein. Sie wurden beide in den Kerker geworfen, und König Kring wollte sie am nächsten Morgen hinrichten lassen. Bosi hatte ein alte, zauberkundige Pflegemutter namens Busla. Die kam in der Nacht in die Kammer, worin der König schlief, und stimmte eine Verwünschung an, die der Fluch der Busla heißt und weitberühmt geworden ist. Und als sie zu ende war, schwor ihr der König zu, die beiden Jünglinge freizugeben; dann sollte sich der Fluch nicht an ihm erfüllen. Von dem Fluche der Busla ist dies bewahrt:

1
König Hring liegt hier,
der Herrscher der Gauten,
aller Menschen
eigenwilligster:
deinen Sohn willst du
selber morden;
so unerhörtes
wird allbekannt.

2
Hör Buslas Fluch!
Er ist bald gesungen,
dass die weite Welt
ihn wohl vernimmt,
niemand nützlich,
der ihn vernimmt,
doch heilloser ihm,
dem ich heut ihn sage!

3
Weichet, Wichte,
Gewaltiges komme,
wanket, Klippen,
Welt erbebe,
Wetter brich an,
Gewaltiges komme,
begnadigst du, Hring,
den Herraud nicht,
tust du Böses
dem Bosi an!

4
Böses wünsch ich
in die Brust dir an,
dass giftige Nattern
nagen dein Herz,
dass deine Ohren
für immer ertauben
und deine Augen
sich auswärts drehn,
tust dem Bosi
du Böses an,
lässt du den Hass
wider Herraud nicht!

5
Segelst du,
versage das Tauwerk,
sollen reißen
die Ruderangeln,
sei zerfetzt das Segel,
sollen brechen
die Brassen alle,
lässt du den Hass
wider Herraud nicht,
bietest du Frieden
Bosi nicht an!

6
Reitest du,
reiße dein Zügel,
strauchle dein Ross,
soll jede Gasse
grades Weges
in der Trolle Hand
dich hinführen,
tust dem Bosi
du Böses an,
lässt du den Hass
wider Herraud nicht!

7
Im Bett sei dir
wie in brennendem Stroh,
auf dem Hochsitze
wie in hohen Wellen;
doch Schlimmeres noch
geschehe dir dann:
willst du bei Mädchen
Manneslust haben,
kommm nie zum Ziel!
Soll ich dir erzählen noch mehr?

8
Zwerge, Thursen
und Zauberinnen,
Bergrolle, Wichte
sollen brenne dein Haus;
Riesen sollen dich hassen,
Rosse sollen dich schänden,
Stroh soll dich stechen,
Sturm soll dich verwirren,
Weh soll dir werden,
tust meinen Willen du nicht!

9
Sechs kommen hier:
sag ihre Namen,
entziffre alle!
Ich zeige sie dir.
Rätst du sie nicht,
wie ich´s richtig heiße,
so fahr hin zur Hel,
von Hunden zerfleischt,
deine Seele aber
sinke zur Hölle!