Die Vogelweissagung - Fáfnismal und Reginsmál

Ein Sagenlied, das das Drachenhortlied mit dem Erweckungsliede verbindet. Seiner Form nach ist es ein Halbprosalied: was es an äußerer Handlung enthält, erzählt es in ungebundener Rede.
Das Lied ist jung, jünger wohl als Brünhildens Helfahrt. Der Dichter wagte nicht, die Ehe Sigurds mit Gudrun zu übergehen, die ihm aus anderen Liedern bekannt war, obgleich sie sich störend zwischen den Drachenkampf und die Erweckung schiebt. Dass die Walküre mit Brünhild gleichgesetzt wird, hat er dagegen nicht übernommen.
Die Kenntnisse geben dem kleinen Liede einen funkelnden Glanz. Die Silbenzählung hat es durchgeführt.
Die Vogelstimmen denkt man sich am besten so verteilt, dass zuerst einzelne, von Str. 7 ab aber alle Eisen zusammen sprechen.

Genzmer

Als Sigurd seinen am Herzen Fafnirs verbrannten Finger zum Munde geführt hatte und Fafnirs Herzblut auf seine Zunge gekommen war, verstand er die Vogelsprache. Er hörte Meisen im Gezweig zwitschern.
Meisen singen ihm, er solle das Herz des Lindwurms essen, um Weisheit zu erwerben und den Regin erschlagen, weil der ihm Böses will.
Sigurd befolgt den Rat und erfährt von seinem weiteren Schicksal. Demnach wird er, nachdem er die roten Ringe des Hortes an sich genommen hat, die Walküre Sigdrifa erlösen (Edda, Die Vogelweissagung).

Die Vögel gaben Sigurd Hinweise auf sein kommendes Schicksal und er bricht auf, die Walküre zu erwecken, wie das Lied berichtet:

1
dort sitzt Sigurd,
besudelt mit Blut,
brät am Feuer
des Fafnir Herz.
Ratklug schiene
der Ringbrecher,
äß er den lichten
Lebensmuskel.

2
Dort liegt Regin,
berät mit sich,
denkt zu trügen
den, der ihm traut.
Finster sinnt er
falschen Anschlag:
Rächen den Bruder
will der Ränkeschmied.

3
Weise wär er,
wollt er nützen,
Schwestern, euern
schirmenden Rat.
letzt er den Raben,
rasch entschlossen:
Dort liegt der Wolf,
wo man die Lauscher sieht.

4
Nicht ist so klug
der Kampfesbaum,
wie den Heerschirmer
bisher ich gewähnt,
lässt er unversehrt
einen Bruder,
wo er den andern
eben erschlug.

Sigurd schlug Regin den Kopf ab. Dann hörte er die Meisen weiter sprechen:

5
Raff die roten
ringe zusammen!
Furcht zu hegen,
ziemt Fürsten nicht.
Weiß eine Maid,
gewönnst du sie,
die allerschönste,
geschmückt mit Gold!

6
Zu Gjuki gehen
grüne Pfade;
vorwärts führet
Fürstengeschick.
Eine Tochter hat
der treffliche Held,
die du, König, kannst
kaufen um Mahlschatz.

7
Hoch steht ein Saal
auf Hindarfiall;
ganz gürtet ihn
Glut von außen.
ihn haben kluge
Künstler erbaut
aus Flutfeuer,
flammend lichtern.

8
Es schläft auf dem Berg
die Schlachtjungfrau;
um sie lodert
der Linde Feind.
Yggs Dorn stach sie:
Andre fällte
die Armbandgefn,
als er gebot.

9
Die Maid im Helm
kannst, Held, du sehn,
die von der Walstatt
Wingskornir ritt.
Sigdrifas Schlaf,
Schildungensproß,
niemand je löst
wider Nornenspruch.

Sigurd ritt die Spur entlang zu Fafnirs Behausung und fand sie offen und Türflügel und Türrahmen von Eisen; von Eisen war auch alles Gebälk in dem Hause, aber in die erde eingegraben. Dort fand Sigurd sehr viel Gold und füllte zwei Kisten damit. Dann nahm er den Schreckenshelm und die Goldbrünne und das Schwert Hrotti und belud damit Grani. Aber das Ross wollte nicht vorwärts gehen, bevor Sigurd auf seinen Rücken stieg. Sigurd ritt nach Hindarfjall hinauf.