Niflheim - Welt des Eises

Niflheim (Nifhel, Nifelheim, Niflheimr, nord. „Nebelwelt”) ist der Raum des Nebels und Eises, der Finsternis und Kälte und Stätte der Gestorbenen. Hier herrscht die Totengöttin Hel.

In der Urzeit ist Niflheim wie auch das warme Muspellheim noch vor der Schöpfung entstanden und liegt nördlich der Schlucht Ginnungagap. Nach Niflheim erstreckt sich eine der Wurzeln der Esche Yggdrasill. Im Zentrum von Niflheim liegt die Quelle Hvergelmir.

Elf Ströme entspringen dieser Hvergelmir, derjenige, der nächst der Wohnung der Göttin Hel liegt, ist Gjoell. Ähnlich dem griechischen Hades oder Erebos oder dem römischen Orcus wurde aus der persönlich gedachten Gottheit des Todes die Vorstellung von einem Aufenthaltsort der Toten entwickelt.

Den Eingang in diese finstere Welt dunkler Täler und ewiger Nacht und Kälte bewohnten die Dunkelelben. Als einziger matter Glanz glimmert hier und da leuchtendes Gold.

In diese finsterste der neun germanischen Welten stieg der weise Riese Wafthrudnir herab und gewann so die Runenweisheit (Edda, Wafthrudnirlied 43). Auch Odin starb an Yggdrasil einen Opfertod, um sich dieses Wissen zu erwerben.

Mit der Christianisierung wurde Niflheim (oder Hel, Helheim) der Hölle gleichgesetzt. Im Unterschied zur christlichen Vorstellung war Niflheimr zwar ein keineswegs sonderlich schöner Ort, ebensowenig aber Ort der Strafe und der Qualen. Demgemäß gelangte jeder Mensch nach seinem Tod hierher, nicht allein die bösen Sünder. Ausnahmen waren nur diejenigen gefallenen Krieger, die von den Walküren direkt zu Odin und Freya nach Walhall und Folkwang getragen wurden. Auch den auf See ertrunkenen wurde ein gesondertes Schicksal zu teil, sie wurden im Totenreich der Meeresgöttin Ran aufgenommen.