Ragnarök - Götterdämmerung

Ragnarök (nord. „Schicksal der Götter” oder "Götterende", ragna rök, Pl. Ragnarökr; „Götternacht”, „Götterdämmerung”). Der Weltuntergang in der nordischen Mythologie der Edda. Besonders durch Richard Wagners Oper „Götterdämmerung” wurde der Begriff bekannt.

Es wird eine Zeit kommen, in der auch die Götter sterben werden. Diese Zeit heißt Ragnarök. Dort beschließt sich das Endschicksal der Götter. Es ist die Zeit der Apokalypse, dem endgültigen Kampf zwischen guten und dunklen Mächten.

Ragnarök heißt übersetzt das Göttergeschick, Götterende. Ein späteres Mißverständnis sagte dafür irrtümlich Ragnarökkr (die Götterdämmerung), d. h. die nächtliche Dämmerung, die über die Götter hereinbricht.

Aber es gibt einen Gegensatz zur christlichen Apokalypse. Bei Ragnarök wird es eine Wiedergeburt geben, eine neue Welt und neues Leben.

Ragnarök wird sich folgendermaßen zutragen: Zu Beginn werden Zeichen das Ende voraussagen. Das Gleichgewicht der Welt war seit Baldrs Tod ausgesetzt. Lokis Bosheit wird auf die Menschen abfärben. Ganz Midgard wird in Kriegen versinken, Väter und Söhne werden sich gegenseitig töten. Es wird ein Zeitalter des Schwertes und der Klinge beginnen. Ganz Midgard wird erfüllt sein von Blut. Und die Götter werden machtlos zusehen müssen.

Danach kommt die Zeit des Fimbulvetr, des Fimbulwinters. 3 Jahre lang wird die Erde von einem schrecklichen Winter heimgesucht werden. Die Kälte wird unerträglich sein. Alle Kreaturen der Welt werden verhungern. Die Sonne wird sich weigern zu scheinen und die Erde sich nicht mehr erwärmen. Dem folgt der durch Surtr ausgelöste Weltenbrand und die Erde versinkt in einer durch die Midgardschlange ausgelösten Überschwemmung. Die Menschen werden sich in knurrende Bestien verwandeln. Alle Liebe und Freundschaft wird von Midgard verschwunden sein. Nur diejenigen mit schwarzen Seelen werden überleben.

Danach folgt das Zeitalter des Wolfes. Die Riesin Angrboda füttert die Wölfe Hati und Skoll solange, bis sie schließlich doch die Sonne und den Mond einholen. Zwischen den Zähnen der Wölfe werden Körper von Menschen stecken. Sie werden die Sonne und den Mond verschlingen und der Himmel wird sich blutrot färben. Die Sterne werden vor Trauer nichtmehr scheinen und die Erde wird in Finsternis gehüllt sein.
Durch diese Finsternis werden die Fesseln aller magischen Ketten zerstört und die Dämonen werden wieder frei sein. In Loki und Fenrir wird das Feuer der Vergeltung brennen.
Nidhögg, der Drache, wird es schaffen, die Wurzel der Weltesche Yggdrasil durchzubeißen und der Baum wird erschüttern bis in die Höhen Asgards. Genau zu diesem Zeitpunkt werden die Hähne krähen und das Ende verkünden.

Das wird für Heimdall das Zeichen sein, ein letztes mal in sein Horn Gjallar zu blasen und die Götter und Einherjar zur letzten Schlacht zu rufen. Alle ziehen nach Wigrid, dem Ort der letzten Schlacht.

Aber auch die Gegner der Götter, die Riesen und das Volk der Unterwelt werden diesen Ruf hören und zu den Waffen greifen. Jörmungandr wird sich im Ozean wälzen und riesige Flutwellen und Stürme erzeugen. Dadurch wird das schreckliche Schiff Naglfari auftauchen. Dieses ist aus den (Finger)Nägeln toter Männer gemacht worden. Loki wird mit Naglfari nach Wigrid fahren, während Fenrir und Jörmungandr es geleiten werden. Fenrir wird alles, was ihm in den Weg kommt verschlingen und die Midgardschlange ihr Gift in alle Richtungen spucken. Naglfari wird nichts als Verwüstung zurücklassen.

Von Jöthunheim her wird ein zweites Schiff mit Riesen nach Wigrid segeln. Ihr Steuermann wird Hrymr sein. Und Surtr wird mit seinen Kindern des Feuers Asgard und Bifröst zerstören bevor sie nach Wigrid kommen. Auch Hel wird mit ihrer Armee der Toten aus Helheim, um ihren Vater zu unterstützen. Auch Nidhögg kommt von den Wurzeln Yggdrasils hervor und vernichtet mit seinen Schwingen eine Vielzahl von Menschen.

Wenn alle Mächte versammelt sind, wird die letzte Schlacht mit ihrem furchtbaren Gemetzel lostoben. Mit Hass und Abscheu in den Augen ziehen die Götter und ihre Gegner aufeinander los. Ganz Wigrid wird von Kampfschreien erhallt sein.

Es wird einzelne Kämpferpaare geben. So werden Odin und Fenrir, Thor und Jörmungandr, Freyr und Surtr, Tyr und Garm und Heimdall und Loki aufeinander treffen. Die Einherjar und die restlichen Asen und Wanen werden heldenhaft gegen Hels Armee der Toten und die Eisriesen kämpfen.

Odin wird nach einem schweren Kampf vom Fenriswolf verschlungen werden.Daraufhin wird sein Sohn Widar Fenrirs Maul soweit aufreißen, dass er Fenrir in 2 Stücke entzweit.

Auch Thor und Jörmungandr werden sich gegenseitig töten. Zwar erschlägt Thor seinen Feind mit Mjöllnir, aber durch das Gift der Schlange wird auch er tot zu Boden sinken.

Bevor Frey auf den Surt trifft, erschlägt er den Riesen Beli (Bruder der Gerda, also sein Schwager) mit seinen Hirschgeweih. Aber gegen den mächtigen Feuerriesen Surt konnte er mit dem Hirschgeweih nichts ausrichten. Wenn er sein Schwert noch gehabt hätte, hätte er eine Chance gehabt. Aber so, beinahe unbewaffnet, wurde er von Surt erschlagen.

Tyr trifft auf den Höllenhund Garm. Tyr musste sein Schwert in der linken Hand führen, da er seine rechte Hand an den Fenrir verloren hatte. Tyr und Garm töteten sich gegenseitig.

Dann treffen sich Loki und Heimdall, die beiden Erzfeinde. Sie konnten sich nie ausstehen und werden auch in der letzten Schlacht nicht aufeinander Rücksicht nehmen. Sie werden sich beide gegenseitig töten.

Auch sämtliche andere Einherjar, Walküren, Zwerge, Alben, Menschen, Götter, Untote, Fels-, Reif- und Feuerriesen werden in dieser Schlacht ausgelöscht werden. Alle bis auf ein Menschenpaar, das sich unter die schützenden Wurzeln Yggdrasils rettete. Es hieß Lif und Lifthrasir.

Dann wird der Schlachtenlärm verhallen und Wigrid mit toten Körpern übersät sein. Surtr wird sein Feuerschwert schwingen und alle neun Welten in Brand setzen. Alles wird zerstört sein. Sogar die feuchten Tiefen Hels werden nichtmehr existieren. Alles wird von Surtrs reinigendem Feuer verschlungen werden.

Wenn die Welt tot ist, wird sie im Meer versinken.

Die Bezeichnung Götterdämmerung gebrauchte zuerst Michael Denis (1772), Richard Wagner benannte so die von ihm 1876 komponierte Oper „Die Götterdämmerung” (BELLINGER, 1997, S. 399), die den „Ring des Nibelungen” abschließt.

Der nordische Bericht von einem Weltuntergang gibt nach Ansicht J. SPANUTHs eine Ur-Katastrophe wieder, die einst zum Untergang der sagenhaften Insel Atlantis geführt habe. Der Feuerriese Surtr sei dann dem griechischen Phaeton (oder auch dem Typhon) gleichzusetzen, die atlantische Königsburg Basilea dem nordischen Asgard. (Die Atlanter, 1998, bes. 324-345)

„Im Jahr 793 wurde die englische Klosterinsel Lindisfarne [von den Wikingern] geplündert und die Kirche Sankt Cuthbert mit dem Blut der Mönche bespritzt. Alkuin beklagte, ,niemals zuvor kam solch ein Schrecken über uns wie jetzt durch die heidnischen Horden’. Aber für die Wikinger war es wie Ragnarök ,ein Zeitalter von Axt und Schwert’. Es war das Vorspiel für das ,Zeitalter von Wind und Wolf vor der Zerstörung der Welt’. Trotz der Christianisierung der Germanen Nordeuropas blieb die Sorge vor dem Weltuntergang. Der Gedanke an das Jüngste Gericht quälte sie während des gesamten Mittelalters. Möglicherweise ging der Kampfeswillen der Nazis im Zweiten Weltkrieg auf die volkstümliche Überlieferung der Götterdämmerung zurück.” (COTTERELL, 1997, S. 218)